Pflege




Allgemeines


Alle, von mir angebotenen, Passionsblumen sind Kletterpflanzen. Das heißt, sie benötigen ein Klettergerüst um vernünftig wachsen zu können. Die Möglichkeiten für Klettergerüste sind vielfältig. Maschendrahtzaun eignet sich ebenso wie ein paar gespannte Drähte. Ich benutze im Garten Wildschutzzaun. Oftmals werden Passionsblumen im Baumarkt oder Gartencenter aufgewickelt angeboten. Dies ist zwar platzsparend in der Produktion und beim Transport, eignet sich allerdings nicht als dauerhafte Kulturform. Solch aufgewickelte Passis sollten direkt nach dem Kauf abgewickelt und in einen größeren Topf gepflanzt werden, der mindestens das dreifache Volumen des alten Topfes aufweist.



Licht

Die meisten Passionsblumen bevorzugen einen vollsonnigen Standort, je mehr Licht, desto besser. Viele geben sich auch mit einem halben Tag direkter Sonneneinstrahlung zufrieden, blühen und, vor allem, fruchten tun sie allerdings am besten wenn sie den ganzen Tag Sonne bekommen.

Frisch gekaufte Pflanzen sollten zunächst an die pralle Sonne gewöhnt werden, da sie in der Produktion und im Verkauf oftmals relativ schattig stehen und der plötzliche Wechsel zu einem vollsonnigen Standort die Blätter verbrennen könnte. Auch meine Pflanzen, die vom Steckling bis zur verkaufsfertigen Pflanze nie echtes Sonnenlicht gesehen haben, sollten zunächst halbschattig, ohne direkte Mittagssonne gestellt werden.

Einige Sammler und Enthusiasten ohne Gewächshäuser überwintern ihre Pflanzen unter Kunstlicht. Dafür eignen sich diverse, verschiedene Systeme.

  • Gasentladungslampen. Seit Jahrzehnten bewährte Technik im Gartenbau. Gute Lichtausbeute bei sehr hohem Energieverbrauch.
  • LEDs. Relativ gute Lichtausbeute bei relativ geringem Energieverbrauch, dafür teuer in der Anschaffung.
  • Leuchtstoffröhren / Energiesparlampen. Diese eignen sich vor allem zur Vermehrung oder wenn es nur um das reine Überleben der Pflanzen geht. Relativ geringe Lichtausbeute bei relativ geringem Energieverbrauch und sehr geringer Tiefenwirkung.
  • "Pflanzenlampen" aus dem Baumarkt / Gartencenter. Diese Lampen eignen sich, meiner Meinung nach, nicht für das Überwintern von Passionsblumen. Sie bieten für gewöhnlich eine sehr geringe Lichtausbeute auf einer sehr geringen Fläche, was sich bestenfalls für kleine Pflanzen mit ohnehin geringem Anspruch an die Lichtintensität, wie z.B. Farne oder Anthurien, eignet.



Wasser und Nährstoffe

Je mehr Licht die Pflanzen bekommen, desto mehr Wasser verbrauchen sie auch. Passionsblumen wachsen mitunter sehr schnell, durchaus 10cm pro Tag und brauchen dementsprechend Nachschub an Wasser und Nährstoffen. Staunässe sollte allerdings auch im Sommer stets vermieden werden.

So viel Wasser sie brauchen, so viele Nährstoffe benötigen sie während Wachstums- und Blütephase. Ich benutze einen flüssigen Volldünger (8-8-6) für alle meine Kübelpflanzen, sowie granulierten Stauden- oder Rosendünger für die ausgepflanzten Exemplare. Für gewöhnlich dünge ich meine Kübelpflanzen bei jedem, oder zumindest jedem zweiten Gießvorgang.

Im Winter sieht das ganze wiederum anders aus. Nutzt man keine künstliche Lichtquelle, fährt der Stoffwechsel der Pflanzen, aufgrund des geringeren Angebotes an Licht, herunter. Deshalb sind die Pflanzen im Winter deutlich trockener zu halten. Zu viel Wasser im Winter kann dazu führen, dass die Wurzeln faulen und begünstigt die Vermehrung von Schädlingen. Passiflora vitifolia z.B. halte ich im Winter sehr trocken.



Substrat

Das Substrat sollte gut durchlässig und nährstoffreich sein. Vielen Kultursubstraten ist Perlite beigemischt. Das sind kleine, weiße, poröse Körnchen, die das Substrat auflockern und Luft speichern. Bei den meisten gebrauchsfertigen Erdmischungen ist mir der Perlite-Anteil jedoch zu gering, weshalb ich noch zusätzlich welches untermische.

Auch bei ausgepflanzten Passionsblumen sollte die Erde gut durchlässig sein. Ich habe die Pflanzlöcher großzügig ausgehoben, eine Drainageschicht aus Blähton eingebaut und die Pflanzlöchern dann mit Pflanzerde und Perlite gefüllt.

Natürlich kann man auch direkt in den gewachsenen Gartenboden pflanzen, sofern er nicht zu lehmig und nicht zu sandig ist. In beiden Fällen sollte man über eine Bodenverbesserung oder den kompletten Austausch nachdenken.



Rückschnitt

Wer Passionsblumen in der Wohnung überwintern möchte, weiß, wie wichtig ein Rückschnitt ist. Über den Sommer wachsen die Pflanzen mitunter zu riesigen Exemplaren heran, die auf kaum eine Fensterbank passen dürften.

Die meisten Passis lassen sich im Herbst problemlos einkürzen. Je nachdem wie viel Platz man zur Verfügung hat, kann man die Pflanzen bedenkenlos, um ein Drittel, zwei Drittel oder noch mehr, einkürzen. Ich entferne die Pflanzen zunächst grob vom Wildschutzzaun im Garten und entferne alle schwachen Triebe. Die kräftigsten Triebe kürze ich stark ein und binde sie an Bambusstäben auf. Im Optimalfall bleiben der Pflanze noch einige belaubte Triebe erhalten. Einige Arten, wie z.B. Passiflora morifolia kann man fast bodennah zurückschneiden.

Im Winter bilden die Pflanzen gerne lange, schwache Triebe, welche im Frühjahr nochmals eingekürzt werden können.

Es gibt allerdings durchaus auch Passionsblumen, die möglichst lang gehalten werden sollten, da diese erst ab einer gewissen Länge überhaupt blühen. Dazu gehören u.a. einige Exemplare der Laurifolia-Gruppe wie z.B. Passiflora x decaisneana oder Passiflora venusta. Diese Pflanzen gedeihen und blühen ohnehin am besten im Gewächshaus oder Wintergarten, wo im Bestfall mehr Platz zur Verfügung steht.



Schädlinge


Die wohl am häufigsten anzutreffenden Schädlinge an Passionsblumen sind Wollläuse, Spinnmilben und Trauermücken.

  • Wollläuse sind davon wohl, bei weitem, die lästigsten. Man erkennt sie sehr gut an ihren weißen Nestern, die wir kleine Wattebäusche aussehen. Wolläuse können wirklich überall an der Pflanze sitzen, in den Blattachseln, auf den Blättern, Trieben und sogar an den Wurzeln.

Die Bekämpfung gestaltet sich zuweilen schwierig. Wichtig ist das frühzeitige erkennen bevor sie sich im gesamten Bestand ausbreiten. Zur Bekämpfung von Wollläusen würde ich dringend zu systemisch wirkenden Insektiziden raten. Gespritzt oder gegossen breiten sich diese Mittel in der Pflanze aus und wirken so überall, auch an den schwer einsehbaren Stellen.

Tipp: Regelmäßig die Pflanzen penibel kontrollieren. Bei Befallsbeginn unmittelbar reagieren und die befallene(n) Pflanze(n), sofern möglich, in Quarantäne bringen. Der Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln sollte, der Umwelt zuliebe, stets so gering wie möglich gehalten werden.


 


  • Wie auch die Wollläuse, treten Spinnmilben vorzugsweise im Innenraum auf. Vor allem trockene Heizungsluft im Winter begünstigt das Wachstum der Spinnmilben-Population. Es kann allerdings auch im Freiland zu entsprechendem Befall kommen, wenn der Sommer warm und, vor allem, trocken ist, wie der Sommer 2018.

Leichten Spinnmilbenbefall erkennt man relativ gut an kleinen silbrigen Punkten auf der Blattoberfläche. Schaut man sich dann die Blattunterseite an, kann man kleine, etwa 1-2mm große, rote, braune oder auch schwarze Tierchen sehen. Starker Spinnmilbenbefall erkennt man wunderbar an den Gespinsten, kleine Spinnennetze, vornehmlich in den Blattachseln. Nicht jedes Spinnennetz deutet auf Spinnmilben hin. Die Netze der Milben sind deutlich feiner gewoben als ich es je bei einer echten Spinne gesehen habe.

Bekämpfen kann man die Spinnmilben mit diversen Mittelchen. Sogenannte Akarizide sind Pflanzenschutzmittel, die ausschließlich auf Spinnentiere wirken, wohl die wirksamste Maßnahme.

Tipp: Um Spinnmilben vorzubeugen sollte die Raumluft nicht zu trocken sein. Bei Befallsbeginn unmittelbar reagieren und die befallene(n) Pflanze(n), sofern möglich, in Quarantäne bringen. Der Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln sollte, der Umwelt zuliebe, stets so gering wie möglich gehalten werden.


  • Trauermücken kennt vermutlich fast jeder, der sich Pflanzen im Haus hält. Kleine, schwarze Mücken die aus der Erde kommen und sich fröhlich im Raum verteilen. Die Mücken an sich sind, in dem Falle, aber gar nicht das Gefährliche. Den Pflanzen gefährlich werden deren Larven, die in der Erde sitzen und sich an den Wurzeln laben.

Wie man diese Tierchen erkennt ist klar. Gelbtafeln, oder Gelbfallen, helfen allerdings dabei zu erkennen wie groß die Trauermückenpopulation bereits ist und bei schwachem Befall taugen sie auch als Bekämpfungsmaßnahme. Ist die Population der Trauermücken bereits zu groß geworden, helfen einige Gießmittel um die Larven abzutöten. Großzügig verteilte Gelbtafeln können niemals schaden.


Tipp: Trauermücken treten vermehrt auf, wenn das Substrat zu nass gehalten wird. Besonders im Winter darauf achten, dass nicht zu viel gegossen wird und bei Befallsbeginn direkt reagieren. Der Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln sollte, der Umwelt zuliebe, stets so gering wie möglich gehalten werden.